Unser Dorf 2005

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(Verbesserungsvorschläge in fett)

1. Entwicklung des Ortes

 

Das Dorf Altenstädt hat gezeigt, dass es sich den Problemstellungen der dörflichen Gemeinschaft und Entwicklung stellt und in der Lage ist, zukunftsträchtige Perspektiven zu entwickeln. Dabei spielen Eigeninitiative und Integration eine wesentliche Rolle.

Besonders hervorzuheben sind hierbei vor allem die Aktivitäten und Infrastruktureinrichtungen, die (wie die Internetpräsentation) mit und für die Kinder und Jugendlichen im Ort aufgebaut wurden und z.T. auch für auswärtige Kinder offen sind. Diese Aktivitäten und Infrastruktureinrichtungen sind zukunftsorientiert und werden als solche sicherlich dazu beitragen, die Jugendlichen nachhaltig an den Ort zu binden. Den Schwerpunkt auf die Kinder- und Jugendarbeit zu legen, ist vielleicht auch ein wenig der „Jungbrunnen“ des Dorfes, welches in 2006 seinen immerhin 1175. Geburtstag feiert.

Doch auch die Problemstellung leerstehender historischer Wohn- und Wirtschaftsgebäude im Ortskern wurde angegangen und zukunftsorientiert gelöst. Die äußerst erfolgreiche Umnutzung historischer Bausubstanz hat dazu geführt, dass in Altenstädt ein neues Gewerbegebiet am Ortsrand ausgewiesen ist, welches bereits ab 2006 drei Betrieben einen neuen Standort bietet. Dabei wird selbstverständlich versucht, die Betriebe auch in das dörfliche Gemeinschaftsleben einzubinden.

Die Grundversorgung im Dorf kann mit einem kleinem Laden, der auch Post- und Bankdienstleistungen anbietet sowie einigen anderen Betrieben als zwar nicht üppig, aber ausreichend bezeichnet werden und bietet vor allem für ältere und nicht mehr so mobile Bewohner einen Mindeststandard an Lebensqualität.

Das Zentrum des Dorfes mit Backhaus, Bushaltestelle, einem Spielgelände und dem Heinrich-Schröder-Haus hat sich zu einem zentralen Ort entwickelt, der nicht nur unterschiedlichste Nutzungen, sondern auch unterschiedlichste Zielgruppen anspricht und damit dazu beiträgt, die Kommunikation zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen zu fördern und möglichst konfliktarm zu gestalten. Das Heinrich-Schröder-Haus mit Übernachtungsmöglichkeiten für Gruppen ist nachgefragt und macht das Dorf auch nach außen offen.

Altenstädt zeichnet sich zudem als ein Dorf aus, dass mit viel Phantasie und hoher Risikobereitschaft an die Verwirklichung von Projekten geht und damit die dörfliche Entwicklung vorantreibt. Dabei geht es nicht nur um manuelle Eigenleistungen (die bei der Schaffung wie auch dem folgenden Erhalt von Einrichtungen immer wieder eine große Rolle spielen), sondern auch um Finanzierungskonzepte. Das einstmals mit Schulden errichtete Backhaus ist mittlerweile schuldenfrei, der geplante Grillplatz inklusive Toilettenanlagen soll mit Spenden der Vereine und einer privaten Zwischenfinanzierung ebenfalls weitgehend eigenfinanziert werden. Die fehlenden Mittel werden durch Erlöse aus Festen (u.a. der Wiederbelebung der Kirmes) und Nutzungsgebühren erwirtschaftet.

Nicht zuletzt sind die Aktivitäten und Projekte zu nennen, die der verbesserten Einbindung des Dorfes in die Landschaft betreffen. Hierbei geht es vor allem darum, die ‚ausgeräumt’ wirkende Landschaft abwechslungsreicher zu gestalten. Baumpflanzungen und die Anlage von vielfältigen Biotopen sind dabei nur einige nennenswerte Aktivitäten. Das dabei noch nicht jedes Projekt (wie z.B. der Fledermausturm) umgesetzt werden konnte, macht das Engagement nicht unsympathischer. Vielmehr verdeutlicht dies, dass in Altenstädt ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass Projekte für ihre Umsetzung nicht allein nur den Willen, sondern auch entsprechende Rahmenbedingungen und damit den dafür geeigneten Zeitpunkt benötigen.

 

2. Bürgerschaftliche Aktivitäten und Selbsthilfeleistungen

Ein reges und vielfältiges Vereinsleben von 17 Vereinen und den kirchlichen Gruppen gestalten und tragen ein lebendiges Miteinander im Dorf. Durch jährlich stattfindende Dorffeste, an denen sich im Wechsel alle Vereine beteiligen, wird das historische Brauchtum gepflegt und wachgehalten. Die Dorfchronik wird vom Ortsbeirat zusammen mit drei Jugendlichen im Internet der Bevölkerung über den Tellerrand hinaus vorgestellt.

Die Privatinitiative der Vereine, Gruppen sowie der einzelnen Bürger spiegelt sich in den Eigenleistungen  für den Ort wider. 20 Patenschaften gibt es allein für die Pflege von Grünanlagen.

Das Backhaus, welches mit hohem finanziellen Aufwand und ebensolchen Eigenleistungen gebaut und eingerichtet wurde, wird jetzt durch einen Backhausverein sehr erfolgreich geführt.

Der Verein ist schuldenfrei, alle Erlöse aus verschiedenen Backtagen im Jahr sowie einem großen Backhausfest fließen ebenso in die Dorfgemeinschaft zurück, wie alle Erlöse aus gemeinsamen Veranstaltungen der Vereine. Die 1175-Jubiläumsfeier im nächsten Jahr stellt wieder eine besondere Herausforderung für alle dar und wird nur gemeinsam zu schaffen sein.

Die neu gestaltete Schulbushaltestelle nahe des Dorfplatzes und des Backhauses ist ein Treffpunkt für alle Generationen geworden, da auch für die Kinder eine Spielfläche mit eingebunden ist.

Für alle Altersgruppen gibt es sehr gute Freizeitaktivitäten. Angefangen bei dem Spielkreis für zwei- bis vierjährige, einen Kindergarten mit zwei Gruppen und insgesamt 50 Kindern, hier sei der „Naschgarten“ genannt, der in Gemeinschaftsarbeit von Ortsbeirat, Vereinen und Elternschaft und Kindern des Kindergartens umgesetzt wurde.

Auch der lebendige Adventskalender der Kinderkirche sowie die viermal jährlich stattfindenden Bibelwochenenden dürfen hierbei nicht vergessen werden.

Für die Jugend ist ein Jugendraum mit Betreuung durch den Ortsvorsteher und der Jugendpflege sowie eine Mehrzweckfläche mit Inlinescater und Basketballkorb vorhanden. Weiterhin wird die Jugendarbeit auch von den Vereinen erbracht, hierbei nimmt das Kinderturnen einen besonderen Platz ein.

Der Seniorentreff und die Seniorengruppe 50 Plus sind zwei ganz aktive Gruppen und aus der dörflichen Gemeinschaft nicht mehr wegzudenken. So ist sehr stark davon auszugehen, dass diese zwei Gruppen neben den Vereinen und Einzelbürgern die „Ärmel aufkrempeln“ werden, wenn es heißt, die neue Grillhütte wird gebaut. Denn dies ist für die Dorfgemeinschaft ein großartiges Projekt, welches für die traditionellen Feste wie Osterfeuer oder Kirmes, welche nach fünf Jahren Pause jetzt auf Wunsch der Bevölkerung wieder neu auflebt, wie geschaffen. Dieses Projekt soll aus voller Eigenfinanzierung durch Kredite von Vereinen, Gruppen oder auch Einzelpersonen sowie aus Spenden z.B. Gewerbebetriebe usw. gedeckt werden.

Die Dorfkirche mit Kirchplatz und dem um- und neugestalteten „Heinrich-Schröder-Haus“ ist eine gelungene Kombination und ein prägendes Dorfbild. Durch die kombinierte Finanzierung dieser Umbaumaßnahme bietet das Haus Nutzungsangebot für den Spielkreis, den Ortsbeirat, die Vereine aber auch kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten mit 24 Betten für Schüleraustausch, Vereinspartnerschaften oder für Privatübernachtungen z.B. bei großen Feierlichkeiten.

Das Dorf Altenstädt hat in den letzten 15 Jahren ca. 20% Neubürgerzuwachs bekommen. Durch ein gutes und aktuelles Angebot für Kinder jeden Alters (von zwei bis Jugendalter) ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung eher jung zu nennen. Hierzu gehören auch Bürger die aus Russland gekommen sind. Ein gutes Beispiel für die gute Eingliederung im Dorf konnte bei der Bereisung der Bewertungskommission festgestellt werden. Frau Letkemann (eine Russlanddeutsche Bürgerin) ist die neue Hausmeisterin für das Dorfgemeinschaftshaus. Sie wohnt seit 15 Jahren im Ort, den sie ihre zweite Heimat nennt. Die Grünanlage rund um den Parkplatz des Dorfgemeinschaftshauses, der ebenfalls durch Eigenleistungen gepflastert wurde, wird als Patenschaft von Familie Letkemann gepflegt. Alle Neubürger werden vom Ortsvorsteher persönlich begrüßt (mit Begrüßungsschreiben, Vereinsliste und einer Übersicht der Gewerbetreibenden).

 

Alles in Allem hat Altenstädt durch die Dorferneuerung enorm an Lebensqualität gewonnen. Die GV wäre hierbei allerdings als Manko zu bezeichnen. Jedoch sind die Einkaufsmöglichkeiten in den benachbarten Orten wie Balhorn, Bad Emstal oder auch Wolfhagen nur wenige Autominuten entfernt, sodass es auch zumutbar ist, dort seine Einkäufe zu tätigen.

Eine alteingesessene Metzgerei hat ein erweitertes Angebot für den täglichen Bedarf in seinem Laden. Daneben gibt es dort eine Poststelle und eine Bankauszahlungsstelle. Der ÖPVN wird zusätzlich durch ein Anrufsammeltaxi der Stadt Naumburg unterstützt.

 

3. Baugestaltung des Ortes

Die Neugestaltung des Dorfplatzes ist im großen und ganzen abgeschlossen, eine Spielfläche wurde noch gepflastert, das Backhaus erhält z.Zt. einen „Holzstall“ als Anbau, dieser wird in Eigenleistung errichtet. Somit ist im Rahmen der Dorferneuerung ein Multifunktionsplatz mit Bushaltestelle, Spielplatz, Backhaus, Technikhaus und verschiedenen Spielfeldern entstanden und der Örtlichkeit mit seinen angrenzenden Fachwerkhäusern gestalterisch und im Sinne der Denkmalpflege gut angepasst.

Ein weiteres Projekt, der Neubau des Parkplatzes am Dorfgemeinschaftshaus mit Ökopflaster, fand seinen positiven Abschluss. In Eigenleistung fertiggestellt wurde ebenfalls der Maschinenwaschplatz mit Technikhaus mit rotem Satteldach.

Dagegen konnte die Maßnahme „Fledermausturm“ noch nicht realisiert werden.

Am Ortsrand ist der Bau einer Grillhütte mit Toilettenanlage geplant, in Kombination mit dem Festplatz eine gelungene Lösung.

Ein weiteres Projekt steht mit dem Umbau des Sportlerheimes an.

Ein Spielplatz mit Holzspielgeräten ist in einem alten Eichenbaumbestand sehr gut integriert.

In der Altortslage sind die Baulücken geschlossen, Scheunen zu Wohnzwecken umgebaut, sodass kein Leerstand von Gebäuden besteht. Die ehemalige Milchannahmestelle wird heute z.B. von einer Schreinerei genutzt, die Dachflächen auf der Südseite sind mit einer Fotovoltaikanlage versehen.

Die bauliche dörfliche Struktur hat sich durch die vielen Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung positiv verändert und das Ortsbild erheblich aufgewertet.

Dazu hat auch der Straßenneubau mit Pflasterrinnen, Gehwegen und Baumpflanzungen beigetragen.

Die Neubaugebiete im Anschluss an die Altortslage haben zur Abrundung des Ortes geführt und sind in ihrer Gestaltung dem Ortsbild angepasst.

In Eigeninitiative der Bewohner wurde ein kleiner Platz angelegt und mit Gehölzen bepflanzt.

Im Neubaugebiet „Schöne Aussicht“ sind noch einige Bauplätze frei.

Der Ort ist über den Schulbus und ÖPVN-Anbindung, Anrufsammeltaxi der Stadt Naumburg angeschlossen.

 

4. Grüngestaltung des Ortes

Gestaltung, Nutzung und Pflege von Grünflächen im öffentlichen Bereich:

In Altenstädt wird die Gemeinschaft großgeschrieben, zahlreiche Projekte werden in einer Gemeinschaftsleistung des Ortes umgesetzt und betreut. Die öffentlichen Grünanlagen befinden sich in einem sehr gepflegten Zustand. Hierfür sind die zahlreichen Pflegepatenschaften die es im Ort gibt verantwortlich, die Stadt Naumburg wird somit entlastet. Die öffentlichen Grünflächen und Außenanlagen der Gebäude sind mit standortgerechten Laubgehölzen bestanden, in der Regel sind Linden gepflanzt, z.B. am Dorfgemeinschaftshaus, am Dorfplatz oder als Straßenbegleitgrün.

Auf Initiative von Anwohnern wurde in der Akazienstraße eine unansehnliche Grünfläche mit Bodendeckern bepflanzt und ein Ahornbaum mit einer Bank versehen.

Auch der örtliche Friedhof konnte von der Eigenleistung der Altenstädter Bürger profitieren, so wurden Verschönerungsarbeiten durch die ortsansässige Rentnergruppe „50+“ durchgeführt.

Die Begrünung des Dorfplatzes in der Ortsmitte ist ausreichend und nicht überhäuft, die beiden vorhandenen Gebäude, Technikhaus und Buswartehaus, könnten jedoch durch Fassadenbegrünungen oder Ranker, evtl. in Verbindung mit einer Pergola aufgewertet werden.

Die Kleinkinderspielgruppe „Kinderland“ hat sich südlich der Dorfkirche einen kleinen provisorischen Spielplatz eingerichtet, bei schönem Wetter können die Kinder im Freien spielen. Sollte der Platz ständig genutzt werden, wäre eine Aufwertung durch entsprechende Begrünung, z.B. Bodendecker, Sträucher und eine Bank sinnvoll.

Vor 3 Jahren wurde die Idee und das Erste Pflanzresultat vom Naschgarten auf der Kleinen Hardt vorgestellt, mittlerweile hat sich die Einrichtung in der Praxis bewährt. In diesem Jahr wurde ein Zaun angebracht, als Gestaltungsvorschlag wäre ein senkrechter Lattenzaun besser gewesen, er hätte sich besser angepasst.

Gestaltung, Nutzung und Pflege von Grünflächen im privaten Bereich:

Nicht nur im öffentlichen Bereich sondern auch im privaten Umfeld der Altenstädterinnen und Altenstädter ist ein lobenswerter Umgang bei der Gestaltung und Pflege von Grünflächen festzustellen. Die innerörtlichen Vor- und Hausgärten sind zum Teil als Bauerngärten angelegt, die Hausfassaden sind begrünt sowie Haus- und Hofbäume gepflanzt, beispielhaft sei hier die Teichstraße genannt. Um so bemerkenswerter ist dies, da es im Stadtgebiet Naumburg keine Jubiläumsbäume mehr für besondere Anlässe von der Stadt gibt z.B. für Runde Geburtstage, Geburten, Hochzeiten.

 

5. Dorf in der Landschaft

Da die Ortschaft landwirtschaftlich geprägt ist, finden sich nur vereinzelte Biotopstrukturen innerhalb der Gemarkung. Hier wurde jedoch in der Vergangenheit sehr viel Arbeit in eine Aufwertung der Agrarlandschaft investiert. Obstbäume wurden gepflanzt, Streuobstwiesen angelegt, Feuchtbiotope angelegt, die Renaturierung des Karbaches begonnen und Feldholzinseln angelegt. Die geschaffenen Biotope dienen insbesondere der Tierwelt als Nahrungs-, Brut- und Ruhebiotop in einer teilweise ausgeräumten Agrarlandschaft. Besonders ausgeräumte Landschaftsteile befinden sich südöstlich Richtung Bahnlinie und nordöstlich Richtung Istha.

Die Übergänge vom Dorf zur Landschaft könnten im nördlichen Teil des Dorfes, von der Kleinen Hardt beginnend über die Straße Richtung Bründersen bis zur Straße nach Balhorn verbessert werden.

Die Ortseingänge wurden durch hochstämmige Laubbäume betont und schaffen für die Autofahrer ein Torsituation die zur Verringerung der Geschwindigkeit beitragen soll.

Der im Außenbereich liegende Maschinenwaschplatz ist erst frisch bepflanzt, die Pflanzenauswahl aus Vogelbeeren, Sträuchern und Bodendeckern lässt den Platz in ein Paar Jahren fast in der Landschaft verschwinden.